BERUFUNG – EIN WEG – MEIN WEG

Am 3.5.1959 in Steyr geboren, bin ich mit 5 Geschwistern in Maria Neustift, O.Ö. aufgewachsen. Meine Eltern führten einen landwirtschaftlichen Betrieb. Die Mitarbeit nach der Schule war für uns alle nicht immer motivierend. Mein Vater lehrte mich, dass arbeiten Freude macht. Ich durfte bei ihm erfahren, dass ihn die Arbeit am Bauernhof erfüllte. Nach der Schulbildung – Volks- und Hauptschule, Fachschule für wirtschaftliche Berufe, begann ich im Jahr 1976 meine Ausbildung zur Diplomierten Gesundheits- und Krankenschwester. Mein Engagement mit und für Menschen da zu sein, sie dort zu unterstützen, wo sie Hilfe brauchen, begann in dieser Zeit. Damals stellte ich mir viele Fragen über den Sinn des Lebens, warum Leid, Krankheit, Tod…

In diesen 3 Jahren ist meine Beziehung zu Jesus gewachsen. Oft durfte ich erahnen, dass mir Jesus im Antlitz des Leidenden begegnet. In mir spürte ich immer wieder einen leisen Anruf, IHM zu folgen.

Ich möchte diesen inneren Weg, den ich gegangen bin in 3 Schritten zusammenfassen. 
Ich verwende dazu je einen Einleitungssatz von Sr. Maria Maxwald, Don Bosco Schwester.

Höre den Ruf, der an dich ergeht“
In mir hat sich immer wieder eine „innere Stimme“, gemeldet.

Ich konnte zuerst nicht klar erkennen, was dies für mich bedeuten würde. Es war eine Zeit des Suchens und Fragens, bis ich mich auf den Weg machte. Mit dem Zug fuhr ich nach Bad Aussee in eine Jugendherberge. Hier zog ich mich für 3 Tage zurück. Ich konnte einfach da sein, da sein vor Gott. Meditieren – auf ihn hinhören.

Hier konnte ich meine Pläne verlassen – nämlich, mich in Steyr als Diplomschwester um eine Stelle zu bewerben, Geld zu verdienen, einen Partner zu finden und eine Familie zu gründen. Als ich diese Pläne losließ, da bewegte sich etwas in mir.

Ich spürte einfach, dass ich geistliche Schwester werden sollte. Ich weiß noch genau die Stelle, es war während einer Wanderung, wo ich gerade über Stufen durch einen Wald Richtung Jugendherberge hinaufging. Ich blieb stehen, schaute zum Himmel und erhielt Klarheit, wohin mein Weg gehen wird.

Werde Ohr für die Stimme, die dich ruft,
für den Rhythmus,der in dir lebt,
für den Traum deines Lebens
“.


Dieses hörende Herz ist die Quelle der Lebendigkeit, denn es verrät uns, wo das Leben zu Hause ist“.

Im Stillwerden konnte ich Ohr sein für die Stimme Gottes. Ich hatte keine laute Stimme gehört, sondern in mir hat sich eine Sehnsucht nach IHM geöffnet.

Für mich heißt dies, mit Gott verbunden zu sein im Alltag. Wenn ich kleinere oder größere Entscheidungen zu treffen habe, den Geist Gottes zu fragen: „Was soll ich jetzt tun“?

Vor Gesprächen mit Menschen, ihn zu bitten, dass er durch mich spricht, und dass er mir die richtigen Worte eingibt.

Geh den Weg, der sich unter deine Füße schiebt, den Weg, der im Gehen, im Vertrauen zum Weg wird"

Viele Menschen fragen mich immer wieder: „Warum bist Du geistliche Schwester geworden“?
Meine Antwort ist dann: Ich habe diesen Ruf Gottes in mir gespürt, und ich konnte nicht anders, als diesen Weg zu gehen.

Dieser Weg beinhaltet, Jesus nachzufolgen in Ehelosigkeit, in Armut, Gehorsam und im Armendienst.
In Gesprächen mit Menschen, höre ich öfters, dass es für sie unvorstellbar wäre, ehelos zu leben, auf einen Partner, auf eine Familie zu verzichten.

Im Jahre 1979 habe ich mich entschieden, in die Gemeinschaft der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul einzutreten.

 

 

 

Es begann eine Vorbereitungszeit, um die Gemeinschaft kennenzulernen und die Schwestern mich kennenzulernen.
Dies ist die Zeit im Postulat.

Am 2. Juni 1980 bin ich nach Graz ins Provinzhaus, für die Ausbildung und das Mitleben in der Schwestern Gemeinschaft. Eine Zeit, welche sehr prägend für mich war.

Diese Gelübde der Ehelosigkeit, der Keuschheit, sowie das Gelübde des Gehorsams und der Armut wird immer eine Herausforderung bleiben – auch für mich.

Ich durfte erfahren, dass Berufung ein Geschenk Gottes ist, und dass ich diesen Weg, den ich jetzt 43 Jahre gehe, nicht nur aus eigener Kraft, sondern durch die Hilfe Gottes gehen kann.
Indem ich mich auf den Ruf Gottes eingelassen habe, durfte und darf ich schmerzhafte Erfahrungen, Verwandlung und immer wieder, eine tiefe innere Freude erfahren.